In Düsseldorf hat heute der Prozess gegen Huseyin A. begonnen. Ihm wird Rädelsführerschaft der als „kriminalistische Vereinigung“ eingestuften PKK in Deutschland, sowie der Tatbestand der schweren Nötigung vorgeworfen. Doch der erste Prozesstag gab vor allem einen Einblick in ein dunkles Kapitel türkischer Geschichte.
Zu Prozessbeginn wurde die Anklageschrift verlesen, woraufhin der 48-Jährige alevitische Angeklagte eine Stellungnahme abgab, und einen Abriss seiner Biographie gab.

Der Angeklagte Huseyin A. betritt den Gerichtssaal des Hochsicherheitstrakts im Oberlandesgericht Düsseldorf. ©Raphaelth
Er berichtete, wie er während der sich zuspitzenden Auseinandersetzungen zwischen Linken und Rechten in den späten 1970er in der Türkei ungewollt zwischen die Fronten geriet.
Ein aufgebrachter Mob drang, nach seiner Angaben, unter „Tod den Aleviten!“-Rufen in das Haus seines Onkels ein.
In der Folge wurden sowohl sein Onkel, als auch seine Tante und ein Cousin ermordet, er erhielt schwere Verletzungen an Hand, Beinen und Kopf, woraufhin seine Hand amputiert werden musste.
Angesichts der Tatsache, dass es bereits der dritte Tag der gewaltsamen Ausschreitungen war, kam er zu dem Schluss, dass die türkische Regierung dahinter stecken müsse. „Eine Regierung, die fähig ist halb Zypern in 24 Stunden einzunehmen,“ sagte er über die damaligen Ereignisse auf der Mittelmeer-Insel „müsse doch auch fähig sein innerhalb von vier Tagen Truppen in eine türkische Stadt zu entsenden.“
Er äußerte diese Ansicht gegenüber mehreren Regierungsvertretern, was seine Festnahme zur Folge hatte.
Obwohl Opfer eines ungezügelten Mobs, sah er sich plötzlich als Beschuldigter. Ihm wurde vorgeworfen Mitglied verschiedener linker Organisationen gewesen zu sein.
Es folgten 20 Jahre im Gefängnis, von denen er zweieinhalb Jahre in Einzelhaft verbrachte. Während dieser Zeit wurde er, nach eigener Aussage, täglich eine halbe Stunde gefoltert. Das schlimmste sei jedoch nicht die Folter an sich gewesen, sondern, dass seine Peiniger von ihm verlangten sich den Zeitpunkt der Folter selbst auszusuchen. Falls er dies verweigerte quälten ihn die türkischen Sicherheitsbeamten zur Strafe länger als die eigentlichen 30 Minuten.
Er verschonte das Gericht von den Details, berichtete jedoch davon, dass es seinen Peinigern besondere Befriedigung verschaffte, ihn als gebrochenen und nur halben Mann zu verspotten, nachdem sie ihn genital verstümmelt hatten. Impotent und seiner Männlichkeit beraubt könne er ruhig weiterleben, sagten sie, sie seien fertig mit ihm.
weiterlesen ‘*Prozessauftakt gegen PKK-Führer, Eindrücke der Grausamkeit türkischer Gefängnisse.’



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